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Reiseinformationen
Gärten und Parkanlagen in England
Großbritannien ist weithin bekannt für seine Gärten und Parkanlagen. Die klimatischen Verhältnisse und die Nähe des Golfstroms begünstigen besonders in England und auf den Kanalinseln das Wachstum und die Artenvielfalt der Pflanzen. Zudem hat der Gartenbau in England eine Jahrhunderte lange Tradition. Der englische Landadel bewohnte und bewirtschaftete Schlösser und Herrenhäuser mit weitläufigen Gartenanlagen.
Auf großes Interesse stieß die Gartenanlage und -pflege auch in künstlerischen Kreisen. Viele Schriftsteller lebten in englischen Landhäusern mit großen Gärten und ließen ihre Kreativität in die Gartengestaltung einfließen. Daraus entwickelte sich der englische Stil in der Gartenbaukunst. Er ist geprägt durch eine gewisse Strenge und Formalität, man findet häufig geometrische Formen, gekennzeichnet durch Buchsbaumhecken und Steineinfassungen. Bäume, Sträucher und Wege werden gezielt als Gestaltungselement eingesetzt. Die Strenge wird durch eine Vielfalt an blühenden Pflanzen aufgelockert, häufig findet man auch Kräutergärten. Englische Gärten nutzen Wasser in zahlreichen Formen, es gibt Teiche, Bachläufe, Springbrunnen und Wasserfälle. Eine Bereicherung der Garten- und Parkanlagen stellen Steinskulpturen, Pavillons und andere Ziergebäude dar.
Großbritannien war weltweit im Handel unterwegs. Kolonien in der ganzen Welt und Straflager in Australien führten dazu, dass zwischen Großbritannien und anderen Ländern ein reger Schiffsverkehr herrschte. Auf diese Weise wurden zahlreiche exotische Pflanzen nach England importiert. Pflanzen aus der südafrikanischen Fauna fanden in englischen Gärten eine neue Heimat. Oft geschah die Einfuhr zunächst unbemerkt. Schiffe aus Australien wurden beispielsweise mit Baumstämmen als Ballast beschwert und dienten als zufällige Lieferanten für neue, exotische Pflanzen. Heute bereichern Pflanzen ausländischer Herkunft mit ihrer Ausstrahlung und Blütenpracht die englischen Gartenanlagen.
Zugleich ist England die klassische Heimat der Rosenzüchter. Rosen werden in England gehegt und gepflegt, es entstehen Kreuzungen aus alten Rosen, Floribundarosen und Teehybriden. In den Gärten spielen die Duft- und Blütenwunder eine große Rolle. Auch in der Kleinform der englischen Gartenanlagen, dem Cottage-oder Bauerngarten im Countrystil, spielen Rosen als Klettergewächse und in der Beetbepflanzung eine wichtige Rolle.
Sissinghurst Castle
Einer der bekanntesten Gärten ist Sissinghurst Castle in der Grafschaft Kent. Die Schriftstellerin Vita Saeckville-West gestaltete die Gartenanlage zu einem Gesamtkunstwerk, das aus zehn einzelnen Gärten besteht. Die Besitzerin war eine sehr kenntnisreiche Gärtnerin. Zusammen mit ihrem Mann Harold Nicholson erwarb sie die aus der Tudorzeit stammende Anlage mit halb verfallenen Gebäuden. Gemeinsam entwickelte das Paar ein Gartenkonzept, das alte Traditionen und neue Ideen miteinander verknüpfte. Besonders bekannt ist der weiße Garten von Sissinghurst, der als Inbegriff der Ruhe und Meditation dient. Der Garten befindet sich heute in der Obhut des National Trust.
Scotney Castle
Ebenfalls in Kent liegt Scotney Castle Garden. Hier findet der Besucher zwischen zwei Burgen einen malerischen Landschaftsgarten. Die alte Burg stammt aus dem 14. Jahrhundert, das neuere Gebäude wurde zwischen 1837 und 1844 errichtet. Für den Bau verwendete man teilweise Steine aus den tiefer gelegenen Hängen. Dadurch ergab sich eine Gestaltung mit verschiedenen Ebenen und Terrassen. Die Hänge zwischen den beiden Castles sind mit Azaleen, Lorbeerrosen und Rhododendren bepflanzt. Scotney Castle Garden bietet außerdem einen Wassergraben und viele immergrüne Bäume. So entsteht auch im Winter ein beeindruckendes Bild. Im Jahr 1978 übernahm der National Trust die Gartenanlage von Scotney Castle.
Caerhays Castle
Ein beeindruckendes Beispiel für den Import exotischer Pflanzen ist Caerhays Castle in Cornwall. Der Garten im Besitz der Familie Williams wurde zur neuen Heimat für über 300 Rhododendronarten und Kamelien. John Charles Williams war ein begeisterter Pflanzensammler und -experte. Besonders wirkungsvoll in Caerhays Castle sind die Magnolienbäume, die zu den größten in Großbritannien zählen und im Frühjahr den Garten mit ihrer weißen und rosafarbenen Blütenpracht verzaubern. Auch die Lage des Gartens ist eine Reise wert. Caerhays Castle liegt auf einer leichten Anhöhe, im Süden das Meer, im Norden ragen steile, bewaldete Hänge auf, die den Garten vor heftigen Winden schützen. Die Gartenanlage ist im Besitz der Familie Williams, die das Schloss auch heute noch bewohnt. Der Familie gehören weitere Gärten in Tregullow und Burncoose.
The Manor House, Upton Grey
In der Grafschaft Hampshire liegt ein weiterer Vertreter der typisch englischen Gärten. Hier lebte Gertrude Jekyll, die zahlreiche Bücher über Gartenpflege schrieb. Ihre Ideen spiegeln überwiegend die Arts-and-Crafts-Bewegung wider. Darunter sind natürliche Gartenanlagen zu verstehen, die einen perfekten Einklang zwischen Natur und Gartenbaukunst ergeben. The Manor House ist ein ungezwungenes Arrangement aus wilden und gezüchteten Pflanzen, Trockenmauern und Terrassen. Das Landhaus im Hintergrund in traditioneller Architektur wird durch die Gartenanlage harmonisch ergänzt. Der Garten befindet sich in Privatbesitz. Die jetzigen Eigentümer haben mit viel Liebe zum Detail mit The Manor House ein blühendes Paradies geschaffen.

