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10 gute Gründe, England zu lieben

Fußball im Mutterland

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland der Fußballsport noch als „Fußlümmelei“ abgetan wurde, wetteiferten englische Vereine längst in einer professionellen Liga miteinander. England ist das „Mutterland des Fußballs“, in kaum einem Land hat der Fußballsport einen höheren Stellenwert. Und ist doch nur Nebensache, wenngleich eine ungemein wichtige. Die anhaltende Erfolglosigkeit ihrer Nationalmannschaft nehmen die Engländer mit einer Mischung aus Fatalismus und ihrem speziellen Humor hin, sogar, wenn es wieder einmal eine Niederlage gegen die „Krauts“ gesetzt hat.

Die englische Liga, 1888 als „The Football League“ gegründet, gilt gleichwohl als stärkste der Welt. Was allerdings weniger mit den feinen Füßen der Engländer zu tun hat als mit dem Geld ausländischer Investoren. Die öffnen ihre Schatulle bevorzugt für Marken, die emotional stark aufgeladen sind. In manchem Fall mag es obendrein mehr Sentimentalität oder Hobby sein als geschäftliches Interesse, dass osteuropäische oder arabische Großinvestoren und englische Fußballklubs zueinander gefunden haben.

Das größte und bekannteste Fußballstadion Englands ist das Wembley-Stadion in London, in dem 90.000 Menschen Platz finden. Dieses zweitgrößte Stadion in Europa (nach Camp Nou, Barcelona) trägt denselben Namen wie sein Vorgänger. Das alte „Wembley“ war Schauplatz diverser historischer Spiele, unter anderem des WM-Finales 1966 zwischen England und Deutschland. Die Engländer gewannen, nachdem sie in der Verlängerung durch ein irreguläres Tor 3:2 in Führung gegangen waren: das „Wembley-Tor“, das jahrzehntelang heiß debattiert wurde, bis in den 90er-Jahren mehrere Studien übereinstimmend ergaben, dass der Ball nicht hinter der Linie war.


Bier: wenig Kohlensäure, viel Geschmack

Hinsichtlich ihres Bierkonsums sind die Engländer eines der führenden Länder, niemand würde das bestreiten. Aber die Qualität ihres Bieres zweifelt mancher Experte an – zu Unrecht. Das Brauereigewerbe hat in England eine jahrhundertelange Tradition, und nur in Deutschland wird europaweit mehr Bier gebraut als in England.

Dass trotzdem mancher Biertrinker die Nase rümpft angesichts englischer Biere, mag allein daran liegen, dass er sie nicht gewöhnt ist: Neben dem unserem Pils ähnelnden „Lager“ trinkt der Engländer sein „Ale“ oder „Bitter“, das trotz seines markanten Geschmacks auf dem Kontinent oft als schal bezeichnet wird. Dieses Vorurteil begründet sich aber weniger im Geschmack des Ales als in dem Umstand, dass es deutlich weniger Kohlensäure enthält als etwa ein Pils, wie es an deutschen Theken gezapft wird.

Neben seinem Ale und Lager trinkt der Engländer gelegentlich ein „Porter“, ein dunkles Bier mit malzigem Geschmack, das oft herb ausfällt, je nachdem, wie viel Hopfen die Brauerei hinzugefügt hat. Eine weitere Variante ist das „Stout“, welches mit dem Porter eng verwandt ist, aber noch herber schmeckt, da es sich durch besonders kräftige Hopfenzugabe auszeichnet. Stouts wie das „Guinness“ sind in England üblich und beliebt, aber dort längst nicht so verbreitet wie in Irland.


Gärten im Einklang mit der Natur

Sein Rasen im Garten ist dem englischen Privatmann heilig, das hält er ebenso wie öffentliche Einrichtungen, die ihre Gärten im Sinne traditioneller englischer Landschaftsarchitektur pflegen. Ein mehrwöchiger England-Urlaub ließe sich allein damit ausfüllen, die bemerkenswerten Parks und Gartenanlagen des Landes zu besuchen.

In englischen Gärten spiegelt sich der Geist der Aufklärung, der im 18. Jahrhundert die Engländer erfasste. Die Landschaftsgärtner folgten mehr und mehr einer Philosophie der Nähe zur Natur. Keine künstlichen Anlagen wollten sie schaffen, sondern in sich schlüssige Reservate. Begehbare Kunstwerke, die dem Besucher das Gefühl geben, Teil eines Landschaftsgemäldes zu sein. In englischen Gärten werden die Pflanzen gepflegt, aber sie dürfen wachsen, wie sie wollen. Der englische Garten mit seinen Seen, Wiesen und Hainen sieht natürlich aus und kann so doch nur entstehen, weil über allem ein landschaftsarchitektonisches Konzept steht.

Die englischen Gärten bilden einen Gegensatz zu den vor allem in Frankreich zu findenden Gärten aus dem Barock und der Renaissance, in denen der Mensch sich die Natur zum Untertan seines Gestaltungswillens gemacht hat. Die Zahl der sehenswerten Gärten in England ist kaum zu schätzen. Einer der bekanntesten liegt 180 Kilometer südwestlich von London, fast an der Westküste: „Stourhead“, einer der ältesten und schönsten der englischen Landschaftsgärten, voll mit historischen Referenzen und natürlich gewachsenen Sehenswürdigkeiten.


Fish&Chips, inoffizielles Nationalgericht

Schwierige Zeiten für das inoffizielle Nationalgericht, zumindest in England: Die Engländer essen seit der Jahrtausendwende weniger Fish&Chips, stattdessen gehen sie zur Döner- oder Gyros-Bude, von denen in englischen Städten immer mehr zu sehen sind. Dafür etabliert sich Fish&Chips international, und das weltweit. Sei es in Europa, in Übersee oder gar in Asien: Fish&Chips ist in.

Fish&Chips kombiniert zwei Nahrungsmittel, an denen auf der Insel traditionell kein Mangel herrscht. London war stets ein florierendes Zentrum des Fischhandels, und Kartoffeln werden auf den britischen Inseln seit Jahrhunderten angebaut. Die Kombination der beiden ist dennoch nicht so alt, wie man vermuten könnte. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts gingen in England die ersten Fish&Chips über die Ladentheke, eine jüdisch-französische Mischung: Die „Chips“ („Pommes“ in Deutschland) waren aus Frankreich in England eingezogen, und die Idee, Fisch zu frittieren, stammt von jüdischen Einwanderern.

Die meisten Fish&Chips-Geschäfte bieten mehrere Fischsorten an: Kabeljau, Seelachs, Schellfisch und andere, dazu gelegentlich eine Soße. Die Chips unterscheiden sich von den in Deutschland verbreiteten Pommes, sie sind deutlich weicher. Einige Geschäfte bieten zusätzliche Beilagen an, „Baked Beans“ zum Beispiel. Wer nicht sofort als Tourist auffallen will, der verzichtet darauf, Messer und Gabel zu ordern. Fish&Chips isst der Engländer mit den Fingern.


Beatmusik, Beatles und Blues

Sie sind die erfolgreichste Musikgruppe, seit es Schallplatten gibt, und es ist nicht abzusehen, dass sie jemand überholt. Die Beatles sind das englische Musikphänomen, die einflussreichste Band überhaupt, aber längst nicht als einzige erwähnenswert, wenn von England und Pop-/Rockmusik die Rede ist. Zwei Strömungen prägen die jüngere englische Musikgeschichte: die Beatmusik und der britische Blues. Beide haben zwei Heimatstädte: Liverpool und London, die Stadt, durch die die legendäre Abbey Road führt.

Aus dem amerikanischen Rock'n'Roll machten englische Schülerbands in London und Liverpool Anfang der 60er-Jahre die Beatmusik, ein Stil, der auf der Insel schnell Anerkennung und Verbreitung fand – anders als in Deutschland, wo „Beat“ die Assoziation „langhaariger Revoluzzer“ weckte und die Musik lange kaum den Weg ins Radio oder gar ins Fernsehen fand. In Deutschland hätten die Beatles kaum so schnell erfolgreich sein können wie in England. Gleichwohl verbrachten sie ihre Lehrjahre in Hamburg an der Reeperbahn, einem Establishment-unverdächtigen Ort.

Zur gleichen Zeit wie die Beatmusik entwickelte sich der britische Blues, nachdem in erster Linie amerikanische Soldaten den Ur-Blues nach Großbritannien gebracht hatten. Led Zeppelin, die Rolling Stones oder Eric Clapton haben ihre musikalische Heimat in den englischen Blues-Clubs der späten 50er- und frühen 60er-Jahre.


Linksverkehr, weil es immer so war

Wer einmal mit dem Auto vom Zug aus dem Eurotunnel oder nach dem Übersetzen vom Festland in England von der Fähre gefahren ist, der kennt diese unbehaglichen ersten Minuten: Alles ist andersherum. Englische Autofahrer halten sich links, und das ist nicht so exotisch, wie es sich für Verkehrsteilnehmer vom Kontinent anfühlt: In Indien, Japan, Australien und mehr als 50 weiteren Ländern wird ebenfalls links gefahren. In den frühen Jahren des Straßenverkehrs war Linksfahren weltweit sogar die Regel, Rechtsverkehr die Ausnahme.

Als noch Ritter auf Pferden über die Straßen ritten, trugen diese als Rechtshänder ihr Schwert links und bestiegen ihr Pferd von der linken Seite – was im Linksverkehr weniger gefährlich ist. Rechtshändige Kutscher saßen bevorzugt rechts auf dem Kutschbock, um mit der Peitsche nicht aus Versehen die Passagiere hinter ihnen zu treffen. Und wer vorne rechts sitzt, der hat im Linksverkehr bessere Übersicht. So entstand der Linksverkehr als übliche Regelung.

Die Herren Napoleon und Hitler waren es schließlich, die in allen von ihnen besetzten/eroberten Gebieten den Rechtsverkehr einführten. Beide hatten den von ihnen unterdrückten Völkern manch Schlimmeres angetan als den Rechtsverkehr, so dass es keine Priorität war, diese Regelung rückgängig zu machen, nachdem der napoleonische oder Nazi-Spuk vorbei war. Die Leute hatten sich daran gewöhnt, und darum fahren wir auf dem Kontinent heute rechts. Auf der Insel, die zu erobern außer den Römern nie jemandem gelungen war, fährt man weiter links.


Im Pub sind alle gleich

„Last Orders“, dieser Ausruf des Wirtes führt oft zu hektischem Gedränge vor der Theke englischer Pubs. Die auf dem Festland unbekannte Sperrstunde (meist 23 Uhr) gilt in England weiterhin, hat sich allerdings im Lauf vergangener Jahrzehnte gelockert. Heute darf vor allem in Städten in vielen Pubs bis 2 Uhr getrunken werden.

Als einst die Römer Europa mit einem Straßennetz für Reisende (und für ihre Armeen) durchzogen, richteten sie an Knotenpunkten dieser Straße Rasthäuser ein. In England entwickelten sich daraus die „Pubs“ (public houses, öffentliche Häuser), die eine zentrale Rolle im englischen Gesellschaftsleben spielen. Im Pub begegnet man einander, beginnt zusammen den Feierabend, und vor der Theke sind alle gleich. Klassenunterschiede zählen im Pub nicht.

Innen sind Pubs eher düster, meistens mit getönten Scheiben und holzvertäfelter Inneneinrichtung, daran hat sich im Lauf der Jahrhunderte wenig geändert. Bestellt wird an der Theke, bezahlt wird unmittelbar. Haupteinnahmequelle vieler Pubs sind neben dem Feierabend die Spieltage der „Premier League“, wenn sich die Fans im Pub treffen, um das Spiel ihrer Mannschaft zu verfolgen.


Nachmittags ist in England Teezeit, und ansonsten auch

Und wenn die Welt um ihn herum zusammenbricht: Um fünf Uhr ist Teezeit, „Tea Time“. Vor allem seinen „Afternoon Tea“ zelebriert der Engländer täglich stets zu einer fixen Zeit. Teetrinken ist in England Lebensart, aber nicht nur. Der schnelle Tee zwischendurch, auch im Pappbecher, beißt sich nicht mit den traditionellen Tee-Ritualen.

Der Engländer trinkt kräftigen, schwarzen Tee, meistens mit Milch. Eine tee-philosophischer Streit spannt sich bis heute um die Frage, ob zuerst die Milch oder zuerst der Tee eingeschenkt werden sollte.

Zum Nachmittagstee wird Gebäck serviert, Scones in der Regel, die der Teetrinker nach seinem Geschmack verfeinert. Viele Engländer mögen unter der beinahe obligatorischen Marmelade eine dicke Schicht „Clotted Cream“, einen dicken, fetthaltigen Rahm.


Literatur: von Shakespeare bis Pilcher

England bringt wieder und wieder bedeutende Literaten hervor. Der bekannteste und bedeutendste ist seit 500 Jahren tot: William Shakespeare (1564-1616), Schöpfer von „Romeo und Julia“, „Hamlet“ und zahlreichen anderen Werken gehört zuerst genannt, wenn es um englische Literatur geht. Finanziell waren und sind andere erfolgreicher, speziell Harry-Potter-Schöpferin Joanne K. Rowling, die unlängst einen Streit mit dem Finanz-Magazin „Forbes“ ausfocht, das sie als Milliardärin führte – zu Unrecht laut Rowling.

Eine Liste bedeutender englischer Schriftsteller würde hier den Ramen sprengen. Jane Austen, Chales Dickens, George Orwell, Douglas Adams, J.R.R. Tolkien und so weiter. Wie so oft gelangen auch in England die Verfasser eher trivialer Werke zu größerer Bekanntheit als manche ihrer Kollegen aus dem seriösen Fach. Rosamunde Pilcher genießt speziell in Deutschland enorme Beliebtheit, was mit den mehr als 100 ZDF-Verfilmungen ihrer Werke zusammenhängt. Viel Herz, ein bisschen Schmerz, zauberhafte Natur und ein Happy End sind die Zutaten, mit denen „Schnulzenkönigin“ Pilcher die Menschen berührt.


Englischer Humor, gelebte Exzentrik

Eine schwarze und trockene Spielerei mit dem Absurden, stets ein wenig anarchisch, das ist englischer Humor, eines der erfolgreichsten Exportgüter der Insel. Die Komiker von „Monty Python“ sind die Wegbereiter des modernen britischen TV-Humors, mit dem sich einst sogar die altehrwürdige BBC schwer tat, als die Monty Pythons ihren Siegeszug auf der Mattscheibe begannen. Weniger anarchisch kommt der in Deutschland beliebte Mr. Bean daher, der stille Alltagsabsurditäten dreht und wendet, bis sich sein Publikum kringelt. Hierzulande gilt Loriot als Vertreter eines Humors in bester englischer Tradition. „Cringe Comedy“ oder „Fremdschämen“ ist bei diesen dreien wie generell in der englischen Komik Teil des Programms.

Im Alltagsleben ist oft die vielzitierte englische Exzentrik zu beobachten, die der Engländer seit langem pflegt und kultiviert, anstatt sie aus Scham zu verbergen. Als Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten und Obrigkeiten hat sich der britische Humor im Laufe von Jahrhunderten ausgebildet, und er bringt immer neue Komiker hervor, deren Bekanntheit bald weit über die Ufer der Insel hinausgeht: Ricky Gervais etwa oder Sacha Baron Cohen, der als Kunstfigur Ali G. manche Autorität an den Rand der Verzweiflung geführt hat.